Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Langenargen bis 1945

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Langenargen ist 1878/79 unter den damaligen Schultheiß Gläsle erfolgt, damals allerdings noch als Freiwillige und Pflichtfeuerwehr (gemischte Feuerwehr). Der Freiwilligen Feuerwehr gehörten seinerzeit 25 Männer an.
Erster Kommandantt der Freiwilligen und Pflichtfeuerwehr war Maurermeister Mathäus Lachenmayer.
Als Gründer der Wehr werden genannt:
Franz Xaver Gläsle, damals Schulthe
Martin Spanagel, Oekonom
Ferdinand Rauh, Zimmermeister
Anselm Steib, Schlosser
Josef Brugger, Holzhändler
Josef Franz, Fischermeister
Josef Pfleghaar, Bäckermeister
Josef Liebmann, Schustermeister
Josef Aberle, Oekonom


Ab 1879 wird von der Feuerwehr ein Protokollbuch geführt. Das erste Protokollbuch ist nicht mehr auffindbar. Ab 1902 liegen alle Protokollbücher, bis zur Umstellung auf EDV im Jahr 1997, lückenlos vor.

Zunächst bildeten die Freiwilligen zwei Züge. Aus den bisher bestehenden Feuerlöschrotten (Pflichtwehr) wurden bis zu sechs Feuerlöschabteilungen gebildet, die mit entsprechenden Armbändern versehen der Freiwilligen Feuerwehr als Hilfskräfte zur Verfügung standen; sie standen aber auch unter dem Befehl des Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr, was gar nicht so selbstverständlich war.

Bald stellten sich jedoch Schwierigkeiten ein, die zwischen den Jahren 1880 und 1882 beinahe zur Auflösung der Wehr geführt hätten. Die Pflichtfeuerwehr blieb größeren Übungen fern und es gab Reibereien zwischen den Mannschaften der Pflichtwehr und denen der Freiwilligen, ja man verweigerte dem Kommandanten gar den Gehorsam. Zu dieser Zeit war es üblich, dem Schultheißenamt Fehllisten vorzulegen, dies hätte die Bestrafungen einzelner durch den Schultheiß zur Folge haben müssen. Da die Bestrafung ausblieb, kam es zu Verstimmungen zwischen Schultheiß und Kommandant. Es kam zu vielen Austritten und manche Führungspositionen konnten nur noch provisorisch besetzt werden. Durch die Treue vor allem der Freiwilligen zum Kommandanten und zur Sache selbst, beruhigte sich die Lage wieder, wozu nicht zuletzt einige größere Brände beigetragen haben dürften.

Als erstes größeres Ereignis kann die Aufnahme in den Internationalen Bodensee-Feuerwehrbund 1883 verzeichnet werden.

Eine "Feuerlöschordnung der Gemeinde Langenargen mit gemischter Feuerwehr" datiert vom 08.11.1889. Zur Organisation sagt die Löschordnung, dass die Feuerwehr "ein selbstständiges, unter einem Kommandanten stehendes, militärisch organisiertes Korps" ist. Die Mindestzahl der Wehr wurde auf 90 Mann festgesetzt. Aus einer Mannschaftsliste von 1888 geht hervor, dass die Wehr 37 Freiwillige und 135 Pflichtmitglieder hat. Die Wehr war in acht Züge eingeteilt: Pumpenmannschaften, Wasserträger und Schöpfer, Flüchtlings- und Wachmannschaften, Feuerreiter usw. Die Gebäude Nr. 55 und 60 des Ortsplanes wurden in der Lokalfeuerlöschordnung als Übungsobjekte bestimmt.

Kommandant Steib hat 1890 den Antrag an die Gemeinde gestellt, eine Standarte für die Feuerwehr zu erwerben. Diese dürfe nur der I. Zug mit sich führen. Offenbar gewarnt durch die Vorgänge in den Anfangsjahren wurde bestimmt, dass das Schultheißenamt die Standarte in Verwahrung nehmen muß, falls die Feuerwehr auseinander fallen sollte. Dem Antrag hat die Gemeinde am 22.08.1890 stattgegeben. Aus diesem Anlass hat der Verwaltungsrat der Feuerwehr auch an die verehrte Einwohnerschaft die Bitte gerichtet, zur Finanzierung eines Feuerwehrfestes durch freiwillige Beiträge beizutragen. Im September 1890 fand das erste große Feuerwehrfest mit Fahnenweihe unter Beteiligung von mehr als 600 Feuerwehrkameraden aus Österreich, der Schweiz und aus Deutschland statt. Bei diesem Fest wurde auch das 100jährige Jubiläum der Spritze Nr. III begangen.

Im Jahr 1897 wurde die Wehr neu organisiert. Die bis dahin bestehende Pflichtwehr wurde aufgelöst und deren Angehörige in die Freiwillige Feuerwehr eingegliedert. Die Wehr umfasste danach 4 Züge mit insgesamt ca. 120 Mann.

In der damaligen Zeit fanden wohl auch regelmäßige Besuche von Bodenseefeuerwehrfesten, Kreisfeuerwehrfesten oder Ortsfeuerwehrfeste statt, auch nach Österreich und in die Schweiz führte der Weg, wobei es sich die einheimische Musikkapelle nicht nehmen ließ, die Heimkehrer musikalisch zu empfangen.
Am 01.07.1898 wurde in Langenargen eine Wasserleitung mit 3 ½ Atm. (ca. 2,5 bar) natürlichem Druck eröffnet. Es wurden erstmals Hydranten errichtet (damals gab es 42), was für die Tätigkeit der Feuerwehr eine entscheidende Änderung mit sich brachte. Bis dahin musste schließlich das Wasser über Trägerketten aus dem See, den Zuflüssen oder aus den Brunnen zur Brandstelle transportiert und dort in die vorhandenen Löschpumpen geleert werden. Noch 1889 waren 14 öffentliche, jederzeit laufende Brunnen in Betrieb.

Aus dem Übungsplan des Jahres 1888 ergibt sich, dass die die Übungen "jeweils sonntags, morgens früh präcis 5 Uhr und bei jeder Witterung" stattgefunden haben. Ohne ganz triftige Gründe Ausbleibende wurden nach dem Gesetz bestraft. Nach dem Übungsplan von 1908 wurde auch eine Verspätung über 5 Minuten unnachsichtlich bestraft. Geschäftliche Verhinderung oder Ortsabwesenheit genügten für eine Entschuldigung nicht. Damals wurden die Übungen dann allerdings abends 7 Uhr oder 7 ½ Uhr abgehalten. Diese Maßnahmen waren damit erklärbar, dass lediglich vier Übungen (teilweise sogar nur Zugweise) und zwei Hauptübungen durchgeführt wurden, wobei weitere Übungen durch das Kommando anberaumt wurden, wenn die Mannschaft ihrer Pflicht in voller Ausrüstung mit Armbinde (zur Kennzeichnung) versehen, mit Joppen und Helm am Spritzenhaus anzutreten. Der Kommandant hatte einen Helm mit weißem, der Stellvertreter einen mit weißem und rotem Rosshaarbusch. Die erste Lokalfeuerlöschordnung für die Freiwillige Feuerwehr ohne Pflichtwehr liegt aus dem Jahre 1907 vor. Gleichzeitig wurde auch die erste Satzung der Freiwilligen Feuerwehr verabschiedet. Die Mindeststärke der Wehr wurde damals auf 98 Mann festgesetzt, tatsächlich waren aber 126 Mann Mitglied der Wehr. Die hohe Zahl im Verhältnis zur damaligen Einwohnerzahl von rd.1400 Einwohnern in 229 bewohnten Gebäuden (1905, ohne Oberdorf) wird erst deutlich, wenn man sie mit der heutigen Mannschaftsstärke (2002) von rd. 79 Mann (einschl. Oberdorf) bei einer Einwohnerzahl von ca. 7125 vergleicht. Technische Ausrüstung und wesentlich verbesserte Ausbildung, aber auch vorbeugender Brandschutz, andere Baumaterialien und Bauweise haben im Laufe der Jahre eine Verminderung der Mannschaftsstärke ermöglicht.

Anfang des Jahrhunderts war es offensichtlich eine große Ehre, Mitglied der Feuerwehr zu werden. Der Verwaltungsrat hat nämlich 1907 den Beschluss gefasst, dass jedes Mitglied einen Eintritt von 60 Mark sowie einen Jahresbeitrag von 2 Mark an die Corps-Kasse zu entrichten hat. Ob dies auch so durchgeführt wurde ist nicht bekannt.
1928 hat der Verwaltungsrat beschlossen, eine neue Fahne herstellen zu lassen, weil die alte Standarte von 1890 brüchig geworden war. Am 10. Juni 1928 feierte die Wehr ihr 50jähriges Jubiläum mit Fahnenweihe: 35 Wehren und einheimische Vereine beteiligten sich am Festumzug. Gleichzeitig fand in Langenargen der Bezirksfeuerwehrtag statt. Die Festrede auf dem Festplatz im Klostergarten hielt der langjährige Kassier Albert Schöllhammer. Den beteiligten Wehren wurde ein Fahnenband überreicht.

Die 30er Jahre brachten auch für die Feuerwehr einige Änderungen mit sich. So wurde eine neu Grußform und Marschbestimmung verordnet, Exerzierübungen mussten durchgeführt werden und statt der bisherigen Einteilung in Zugführer, Steiger und dergleichen mehr wurde der Einheitsfeuerwehrmann gefordert. Es wurden neue Feuerwehrordnungen herausgegeben, nach denen 1937 alle über 60 Jahre alten Männer zurücktreten mussten.

Im Juli 1937 wurde die selbstständige Feuerwehr Oberdorf durch Gemeindereform der Feuerwehr Langenargen als Halbzug angegliedert. Der Mannschaftsstand betrug danach ca. 100 Mann. Seit 1937 werden bis heute jährlich 20 bis 24 Übungen abgehalten.

Die Kriegsjahre sind auch an der Feuerwehr nicht spurlos vorübergegangen. Wie im Ersten Weltkrieg wurden auch im Zweiten Weltkrieg große Lücken in die Reihen der Feuerwehr gerissen, die man durch Ersatzleistungen der Hitlerjugend und mit Notverordnungen durch sonstige noch verfügbare Männer zu schließen versuchte. Viele zusätzliche Übungen wurden notwendig. Das Aufgabengebiet und die Übungen selbst hatten sich rasch verändert: Streifendienst und Wachdienst waren notwendig. Luftschutzübungen, Übungen zur Brandbombenbekämpfung usw. mussten durchgeführt werden.